Das Unwort des Jahres: Abwrackprämie

Wer in 2009, dem offiziellem Jahr der “Rezession” (noch so ein inflationär benutzter Begriff, aber kein echtes Unwort) seinen alten (mindestens 9 Jahre nach Erstzulassung) Gebrauchtwagen verschrottet, bekommt neuerdings vom Staat Geld geschenkt, wenn er im gleichem Zuge einen Neu- oder Jahres-Wagen kauft. So weit so gut – als Konjukturspritze in einer Zeit, in der es nur eine Richtung geht, nämlich Äbwarts, ist der Grundgedanke Verschrottung alter Fahrezeuge zu subventionieren und den Abverkauf neuer Autos zu unterstützen fast schon nobel. Allerdings gibt es ein horrendes Problem: Was passiert A.D. 2009, nach diesem angsterfülltem Jahr 2009, in dem Hans Schmidt, Steuerfachangestellter und alle seine Bekannten aus dem Kleingartenverein sich ihren neuen VW Polo oder Skoda gekauft haben? Richtig: Dann beginnt die Talfahrt der Automobilkonzerne erst wirklich. Die Abverkäufe bestimmter Automarken haben sich mehrfach um hundert Prozent und mehr gegenüber dem Vorjahr potenziert, da fragt sich doch jeder halbwegs intelligente Mensch: Wie sehen die Verkäufe 2010 oder 2011 aus, wenn jeder, der einen Neuwagenkauf halbwegs realisieren konnte, dies auch getan hat? Die Verkäufe von Neuwagen für die Firmenflotten werden weitergehen, aber der Abverkauf an Privatleute wird einen herben Rückschlag erlegen, wenn er nicht sogar einige Konzerne in die Knie zwingen wird (siehe Opel, trotz “Abwrackprämie” und Verkaufszahlen, die gut wie nie sind, scheint der Konzern es nicht ohne fremde Hilfe zu schaffen).

Unwort des Jahres - Abwrackprämie

Unwort des Jahres - Abwrackprämie - ein Haufen Schrott?

Auf jeder Autozeitung, die ein breites Publikum anspricht, prangern seit Wochen immer wieder die selben Schlagzeilen in grossen Lettern auf den Titelblättern: “Abrwackprämie: so holen sie sich den Zuschuss vom Staat” – “Abwrackprämie: Wie geht es?” – “Abwrackprämie – so erhalten sie ihr Geld GARANTIERT!”. Sogar in Tageszeitungen, Fernsehberichten und Nachrichten hat es seit längerem Einzug gehalten und will einfach nicht wieder in der Versenkung verschwinden, aus der es Januar 2009 gekrochen kam. Es tut mir Leid, aber ich KANN es einfach nicht mehr lesen/hören/sehen.

Im Grunde hat der Staat es schon richtig gemacht: Die “Abwrackprämie” nur für Privatleute anzubieten, so kann er nämlich die kompletten Mehrwertsteuern von jedem Autokauf (Gewerbetreibende und Unternehmen bekommen die Mehrwertsteuer zurückerstattet) einstreichen. Wahnwizigerweise gelangen viele der “abgewrackten” (geil, ich hassliebe dieses Wort wirklich!) Fahrzeuge wieder in den Strassenverkehr! Kurzum: Ich halte es für eine Milchmädchenrechnung und obendrein ist die Milch auch sauer. Die Autohersteller werden den bitteren Sahnedrops noch zu lutschen bekommen, aber nicht heute, sondern in 1 bis 2 Jahren. Von dem Verbrennen des Geldes der Steuerzahler (die die “Abwrackprämie ja bezahlen) will ich jetzt gar nicht anfangen. Danke Deutschland.

Und siehe da: Ich bin nicht alleine.

Damit ihr mich nicht falsch versteht: Die 2.500 Euro, die ein Bundesbürger dafür einstreichen kann, gönne ich jedem, den Neuwagen sowieso.

(Foto: pixelio.de)

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2 Kommentare

  1. David said on Juli 15, 2009 um 3:55

    Grandiose Idee, vor allem, wenn man bedenkt, dass viele ihr voll funktionsfähiges Auto, das oftmals noch mehr als 2.5k wert ist, abwracken lassen, nur um sich die Prämie zu sichern.

    Die Autoindustre wird ein böses Erwachen erleben.. da stimme ich Dir zu.

  2. s-A-m said on August 17, 2009 um 7:48

    Ich denke auch das so kurzzeitige Geldspritzen das Chaos auch nur verschieben, naja wir werden sehen.

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