Artega GT

Artega GT – noch nie gehört? Wahrscheinlich auch noch nie gesehen. Der Artega GT gehört ohne Zweifel zu den Exoten auf den deutschen Straßen. Dabei bietet er eigentlich alles, was ein Auto zum waschechten Sportwagen macht: viel Leistung, niedriges Gewicht, Mittelmotor, Heckantrieb und ein straffes Fahrwerk. Enge Kurven gehören damit zweifelsohne zum Jagdrevier des Artega.

Artega GT
Artega GT

Scheinwerfer vom Carrera GT
Der ostwestfälische Mittelmotorsportler bläst zum Angriff auf Porsche Cayman S und Co. Mit 300 PS aus einem 3,6 Liter großen V6-Motor und einem Gewicht von unter 1,3 Tonnen stehen die Chancen jedenfalls nicht schlecht. Doch fangen wir zunächst beim Design an. Die respekteinflößende Optik erstreckt sich auf gut vier Meter Gesamtlänge. Vorne bestimmen Scheinwerfer aus dem Carrera GT und ein breiter Lufteinlass das Design, die Seitenlinie wird vor allem durch den breit ausgestellten hinteren Kotflügel geprägt, dazu gibt es faustgroße Lufteinlässe an den Flanken. Die filigrane Karosserie aus Verbundwerkstoff mündet schließlich im extra breiten Heck mit Diffusor. Zusammen mit den gewaltigen XL-Reifen im Format 305/30 19 ist das Design eine deutliche Ansage an die etablierte Sportwagenwelt.

Heckansicht des Artega GT
Artega GT heck

Materialmix aus VW-, Audi-und BMW-Elementen
Auf Platz muss man allerdings nahezu komplett verzichten – zumindest was die Zuladung betrifft. Im Kofferraum ist nur Platz für ein maßgeschneidertes Kofferset. Immerhin dürfte dieses aber für ein verlängertes Wochenende auseichen. Der Innenraum wirkt, bis auf das Lenkrad und die passgenauen Sportsitze, recht nüchtern. Auffällig ist vor allem der Materialmix aus VW-, Audi-und BMW-Elementen. Die Verarbeitung ist zwar sehr hochwertig, man vermisst jedoch einen eigenständigen Auftritt. Bei der Ergonomie hinterlässt der kleine Sportler ebenfalls keinen guten Eindruck. Bei unpassender Sonneneinstrahlung wird das Ablesen der Instrumente zum regelrechten Disaster. Ungewöhnlich: Der Drehzahlmesser verzichtet auf einen roten Anzeigenbereich, allerdings wechselt er seine Farbe beim Erreichen des Drehzahllimits.

V6-Klangorchester
Platz nehmen, Hände am kompakten und griffigen Sportlenkrad in Stellung bringen, Startknopf drücken und den Sound aus dem 3,6-Liter-Sechszylinder genießen. Das Aggregat brüllt in allerfeinster V6-Manier, der Sound lässt zudem Erinnerungen an den VW Golf VR6 aufkommen. Hat man den Automatik-Wählhebel erst einmal in S-Stellung gebracht, sind alle Zweifel und Mängel sofort vergessen. Der Artega GT geht ab wie die sprichwörtliche Sau. Aus dem Stand geht auf 100 km/h in 4,8 Sekunden – so schnell wie ein Audi RS4 mit 420 PS. Allerdings wirkt die Beschleunigung im Artega weitaus heftiger – der basslastige Klang des Mittelmotors spielt hierbei wohl auch eine Rolle. Das 3,6-Liter-Aggregat bringt den kompakten Porsche-Kontrahenten auf eine Spitzengeschwindigkeit von 273 km/h. Oberhalb von 5.000 Touren wirkt die Flunder jedoch etwas abgeschnürt, wohlmöglich auch ein Zugeständnis an den recht hohen cW-Wert von 0,4. Ab 200 Stundenkilometer geht es nur noch zäh voran. Unter Leistungsmangel fehlt es dem GT dennoch nicht – Kapitel Motor, Getriebe und Sound hat der Sportwagen mit Abzügen in der B-Note mit Bravour bestanden. Besonders erfreulich ist zudem der Verbrauch, welcher mit 8,8 Liter im Schnitt auf 100 Kilometer verhältnismäßig gering ausfällt.

Deutsche Schönheit: Der Artega GT
Artega GT

Heftige Verzögerung im Artega GT
Das, was dem Artega bei der Beschleunigung fehlt, macht er spätestens beim Verzögern wett. Etwas mehr als 30 Meter braucht der leichte Sportwagen, bis er von 100 km/h wieder zum Stillstand kommt. Allerdings vollzieht sich dieser Vorgang etwas ruppig – passend zum ungestümen Gemüt des Artega. Hohe Kurvengeschwindigkeiten gehören ebenso zum Kaufvertrag wie Traktion in jeder Lebenslage. Obwohl der Artega GT keinerlei Flügelwerk Besitz, generiert er unglaublichen Abtrieb. Lediglich bei ausgeschaltetem ESP sollte man etwas vorsichtiger mit dem Gasfuß sein – bei plötzlichen Lastwechseln ist das Heck kaum noch einzufangen.

Test des Artega GT

Hoher Preis, dafür viel Charakter
Knapp 75.000 Euro werden für den Artega GT fällig. Dafür bekommt man auch schon eine Corvette Z06 mit 507 PS, einen BMW M3, einen Audi RS4, ganz zu schweigen von einem Porsche Cayman S. Ist der Artega GT seinen hohen Preis wert? Ja, ist er. Und zwar aus dem einfachen Grund, dass Sportwagen mit Charakter zu einer aussterbenden Spezies zählen. Zwar würde der Artega GT im objektiven Vergleichstest gegen einen Cayman S gnadenlos verlieren, doch der GT glänzt neben seinem tollen Design insbesondere durch Temperament und einer eigenen Art. Und genau diese Eigenschaften machen ihn so sympathisch und reizend.

Veröffentlicht am 24.11.2011 in Sportwagen

Kommentar hinzufügen
Name [wird veröffentlicht]
Emailadresse [bleibt geheim]
Homepage [wird veröffentlicht]
Kommentar:

Thomas Neumann schrieb am 28.02.2012 um 18:48 Uhr

Ich habe Benzin im Blut.Das ist die groesste Luege seit langem,denn leider habe ich von Autos und Technik soviel Ahnung wie vom Backen.Tut mir leid.